Das World Human Forum stellt Zukunftsfragen

Im Rahmen der Ludwigsburger Schlossfestspiele fand das diesjährige »Echo von Delphi«, das World Human Forum, vom 22. bis 24. Mai als digitale Konferenz statt. In vier Abschnitten, die von den vier Sätzen von Beethovens 5. Sinfonie begleitet wurden, führten Moderator*innen aus Delphi und Ludwigsburg durch das Programm. Mit dem Ziel, die menschliche Verantwortung auf dieser Welt kritisch zu hinterfragen, wurden Themen wie Innovation, Demokratie und Bildung und Selbsterkenntnis besprochen. So fanden insgesamt 500 aktive Teilnehmer*innen aus 18 Ländern und 5 Kontinenten zu einem Zukunftsdialog zusammen. Diese Vielfalt an unterschiedlichen Nationen war ein ganz besonderes Highlight für das Organisationsteam.

1. Satz: Bewusstsein (Consciousness)
»Know thyself (Erkenne dich selbst)«

Am 22. Mai führte Michael Scott, Professor für klassische und alte Geschichte an der University of Warwick und Ehrenbürger von Delphi, die Teilnehmer*innen mit einem Vortrag über die Entstehung des Orakels zurück an die historische Stätte. Vom antiken, griechischen Aphorismus »Know thyself (Erkenne dich selbst)« ausgehend, erklärte er, wie Delphi der griechischen Mythologie nach zum Nabel der Welt geworden ist. Und eröffnete den ersten interaktiven Austausch mit der Frage: Welche Frage würdest du dem Orakel von Delphi heutzutage stellen?

Über ihre Erfahrungen und Arbeit zur Verbesserung der Selbstwahrnehmung in einer komplexen Welt sprachen u.a. auch die Filmemacherin und Autorin Nora Bateson und der Gründer, Berater und Vorstandsmitglied des Reflecting Freedom Network und der Nelson Mandela Familien Stiftung, Khalil Osiris.

2. Satz: Wandel (Change)
»The only constant in life is change« (Heraclitus)

Mit dem Thema »Wandel (Change)« begann früh morgens der zweite Tag des World Human Forums. Dazu sprach der Autor Jeremy Lent über die historische Veränderung menschlicher Wertesysteme. Im Anschluss fokussierte sich das Forum auf konkrete Maßnahmen und Projekte für einen nachhaltigen Umgang mit der Natur. Auch begeistert wurden die Teilnehmer*innen von spannenden Beiträgen über Graswurzel-Bewegungen und inspirierende Lebensgeschichten der Journalistin und Autorin Bénédict Manier und der ehemaligen Juristin und heutigen Landwirtin Perrine Hervé-Gruyer.

Der morgendliche Abschnitt des World Human Forums endete mit der Vorstellung der Organisation Convergences durch den Geschäftsführer Tibault Larose sowie mit einem Überblick über städtische Maßnahmen der Stadt Ludwigsburg durch den 4. Bürgermeister Albert Geiger.

3. Satz: Verbindung (Connection)
»Alle Menschen werden Brüder« (Friedrich Schiller)

Die 3. Sitzung begann erneut mit etwa 150 Zuschauern. In den nächsten drei Stunden hörten die Teilnehmer*innen Vorträge zu Demokratie, Artivismus und Bildung – und den unterschiedlichen Verbindungen, die versuchen, systemische Probleme zu verbessern. Über die Verbindung von kollektiver Intelligenz und Demokratie sprachen der Jurist und Professor Lex Paulson und Paul Cartledge, Professor für griechische Kultur an der Universität Cambridge und Fellow des Clare College, mit der Artivistin Gina Belafonte.

Was müssen wir erlernen um zukunftsfähig zu werden? Zu welchem Zweck bilden wir uns?
Zu dieser Fragestellung hörte das World Human Forum drei Vorträge zum Thema Bildung. Mit Kiran Sethi lernten die Teilnehmer*innen eine wahre Pionierin kennen. Die Designerin entwickelte ein alternatives Schulkonzept und gründete anschließend die Riverside Schule in Indien. Ihr Ansatz: »If we are born human by chance, can education make us humane by choice?«

Mehr über ihr Konzept erklärt folgendes Video:

Des Weiteren sprachen auch Stavros N. Yiannouka, der CEO des Weltinnovationsgipfels für Bildung (WISE), und Dr. Burcin Becerik-Gerber, Professorin für Bau- und Umweltingenieurwesen der University of Southern California, die an der Schnittstelle von gebauter Umwelt, Maschinen-intelligenz und Systemdenken forscht.

4. Satz: Schöpfung (Creation)
»Art demands of us that we shall not stand still« (Ludwig van Beethoven)

Aphrodite Patoulidou unterlegt die ätherischen Harmonien von Claude Debussys »Mes longs cheveux« aus der Oper Pelléas et Mélisande mit orientalischen Klängen.

Das spannende Wochenende schloss mit der vierten Sitzung, die sich mit den Potenzialen kreativer Arbeit und den Künsten befasste. Die letzten drei Stunden verflogen mit einer Mischung aus Vorträgen, Meditationen und künstlerischen Elementen der Sopranistin Aphrodite Patoulidou und der Choreographin Sasha Waltz. Vorgetragen haben James Ehrlich, Tomas Bjorkman, John Hagel, John Fullerton und die Dirigentin Alondra de la Parra.

Jochen Sandig und Alexandra Mitsotaki, Mitbegründer des World Human Forums, gaben den Teilnehmer*innen sogar eine kleine Führung durch das Ludwigsburger Barockschloss. Mit Bildern von dort und aus Delphi endete das diesjährige World Human Forum.

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